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Sizilien – Insel der Sonne, Götter und der Arancini

Endlich geht es an ein Ziel, das sich schon viel zu lange hartnäckig auf unserer Bucket List festgekrallt hat: Sizilien. Die grösste Insel des Mittelmeers hat es nun endgültig an die Spitze geschafft – vermutlich dank Sonne, Vulkanen und frittierten Reisbällchen.

Mit der Fähre setzen wir innerhalb von 24 Stunden über Nacht von Genua nach Palermo über. Die Ankunft am späten Abend, mitten in der quirligen Stadt und exakt zur Stosszeit, gibt uns sofort einen ersten, sehr nachhaltigen Eindruck vom sizilianischen Fahrstil. Aber gut: Wer als Autofahrer:in Zentralamerika und Kolumbien überlebt hat, lässt sich von so etwas nicht aus der Ruhe bringen. Meistens jedenfalls.

Palermo lassen wir zunächst links liegen und steuern für die erste Nacht einen Campingplatz am Capo Zafferano an. Beim Frühstück mit Meersicht, warmer Brise und dem Gefühl, endlich angekommen zu sein, wird klar: Drei Wochen sind eigentlich viel zu kurz. Da wir aber „nur“ diese drei Wochen haben, verlieren wir keine Zeit und starten unsere Route im Uhrzeigersinn. Bemerkenswert an dieser Stelle: Es ist wohl das erste Mal überhaupt, dass wir uns während einer ganzen Reise mehr oder weniger an den ursprünglichen Plan halten.

Wir folgen der Nordküste ostwärts, machen Halt in Cefalù und landen schliesslich auf einem Campingplatz direkt am Meer bei Castel di Tusa. Mit Meeresrauschen, 180-Grad-Blick aufs Wasser und maximaler Entschleunigung verbringen wir ein paar wunderbar faule Tage – schliesslich wollen wir fit sein für die erste Offroad-Etappe.

Auf dem Weg zum Startpunkt wartet eine skurrile Sehenswürdigkeit: das Labyrinth der Ariadne in den Nebrodi-Bergen, Teil des Kunstprojekts Fiumara d’Arte. Einsam, verlassen, frei zugänglich und praktisch menschenleer steht es mitten im Nirgendwo. Wir umrunden das Bauwerk mutterseelenallein und rätseln, was der Künstler sich wohl dabei gedacht hat. Ganz egal – die Fahrt durch die Berge mit ihren atemberaubenden Ausblicken entschädigt ohnehin für alles.

Die anschliessende Offroad-Strecke durch das Reserva Naturale Orientata Fiumedinisi bringt uns an die Ostküste, wo sich die touristischen Highlights auffällig verdichten. Taormina lassen wir uns – trotz erwarteter Menschenmassen – nicht entgehen. Für zwei Nächte schlagen wir unser Lager auf einem Campingplatz mit Anschluss an ein grosses Hotel samt Pool auf. Dank Uber dürfen Fritz und wir uns die engen Gassen und die notorisch zu niedrigen Parkhäuser Taorminas sparen – das schont die Nerven ungemein.

Frühmorgens, noch bevor die abenteuerhungrigen Kreuzfahrer die Stadt fluten, erleben wir Taormina und das Amphitheater beinahe menschenleer. Verständlich, dass dieses Städtchen Touristen aus aller Welt anzieht: Wie aus einem Märchen liegt es am Fusse des Ätna und bietet spektakuläre Ausblicke. Als Bonus gibt es noch ein filmisches Highlight: Taormina war Drehort des Kultfilms Le Grand Bleu. Im gleichnamigen Restaurant, das tatsächlich für eine Filmszene genutzt wurde, geniessen wir ein ausgezeichnetes Mittagessen – Nostalgie für Simone inklusive.

Weiter geht es zum Ätna, mit rund 3’400 Metern über Meer der höchste aktive Vulkan Europas und UNESCO-Weltnaturerbe. Michis ambitionierte Idee, den Vulkan zu besteigen, stösst nicht bei allen auf uneingeschränkte Begeisterung. Entsprechend teilen sich die Aktivitäten: Während Michi sich auf eine schweisstreibende, geführte Gipfeltour begibt, schaltet der Rest der Reisegruppe in den Ruhe- (Fritz) bzw. Arbeitstag-Modus (Simone). Teamwork auf sizilianisch.

Nach diesen Strapazen haben wir uns ein paar Erholungstage am Meer redlich verdient. In Punta di Braccetto finden wir einen sehr gepflegten Campingplatz – inklusive Privatbad, was die Messlatte deutlich nach oben verschiebt – direkt am Meer. Zur Hochsaison dürfte man hier vermutlich vor lauter Wohnmobilen das Wasser nicht mehr sehen. Mitte September hingegen ist es herrlich ruhig, und wir ergattern sogar einen Platz in der ersten Reihe. So lässt es sich leben. Mit einer gemieteten Vespa erkunden wir Ragusa und Modica, bewundern barocke Baukunst und widmen uns erneut der sizilianischen Küche: viel Fisch, viel Genuss und selbstverständlich Arancini in allen erdenklichen Variationen.

Die nächste Station ist ein weiteres Highlight – zumindest für einen Teil der Gruppe: Agrigento und das Tal der Tempel. Bei über 30 Grad und gefühlten 100 Prozent Luftfeuchtigkeit erkunden wir die antiken Stätten am späten Nachmittag. Die geplante Busfahrt vom Campingplatz zum oberen Eingang des Parks, um dann gemütlich bergab zu wandern, klingt auf der Karte harmlos. In der Realität entpuppt sich bereits das Finden des richtigen Startpunkts als typisch sizilianische Herausforderung. Nachdem diese gemeistert ist, folgt eine schweisstreibende Wanderung durch die Tempel, die selbst am späten Nachmittag noch gut besucht sind. Für Liebhaber alter Steine jedoch definitiv lohnend.

Eine weitere Offroad-Strecke und ein Abstecher zum Lago di Piana degli Albanesi führen uns schliesslich an die Westküste nach Erice. Das auf über 700 Metern gelegene Städtchen blickt auf eine lange Geschichte zurück und bietet spektakuläre Ausblicke. An einem Montag Mitte September dürfen wir es sogar mit erträglichen Menschenmengen erleben.

Im nahegelegenen Valderice finden wir zwar einen eher mässig attraktiven Campingplatz, dafür aber eine traumhafte Strandbar mit hervorragendem Essen und Live-Musik. Prioritäten müssen eben gesetzt werden.

Unsere letzte Station ist das Capo San Vito. Hier ist nach wie vor viel Betrieb, doch auf dem riesigen Campingplatz finden wir problemlos einen Platz. Es folgen ein paar Tage am Meer, umgeben von Touristenmassen, wie wir sie eigentlich nicht mögen. Der Strand ist weiterhin dicht mit Bagni zugepflastert, sodass es zur Herausforderung wird, Platz für Badetuch und Sonnenschirm zu finden. Abends sind die Restaurants gut besucht, und das bevorstehende Couscous-Fest lockt zusätzliche Besucher an. Der arabische Einfluss auf die Küche ist hier deutlich spürbar – kulinarisch ein Gewinn. Die geplante Wanderung im Zingaro-Nationalpark fällt leider buchstäblich ins Wasser, da die Wanderwege nach einem Grossbrand im Sommer noch immer gesperrt sind.

Bevor es wieder mit der Fähre zurück nach Genua geht, widmen wir uns noch Palermo. Eine eindrückliche, wuselige Stadt voller Kontraste, die jedoch unter den Touristenmassen sichtbar leidet. Der Charme blitzt immer wieder auf – reicht aber nicht ganz, um die aufkommenden Fluchtgedanken dauerhaft zu vertreiben.

Fazit Sizilien: eine Insel der Träume, der Gegensätze, einer unglaublichen Vielfalt gespickt mit Geschichte, märchenhaften Städtchen und italienischem Essen in seiner vollendeten Form. Sizilien hat uns begeistert!

Sizilien Teil 1

Sizilien Teil 2